Info 4 / 2001

Beurteilung der Ist-Situation aus WIDEMA-Sicht

1. Fox-Route


Wie bereits mehrfach von WIDEMA beanstandet, entspricht die derzeit vorwiegend von kleineren Maschinen geflogene Fox-Route keinesfalls dem WIDEMA-Antrag vom Oktober 1999 an die Fluglärmkommission.
Das von der DFS veranlasste Überfliegen von Ortschaften, besonders im Bereich Wallau,Breckenheim und Medenbach bringt verständlicherweisedie dortigen Bewohner gegen WIDEMA auf, wenn gleichzeitig von verschiedenen Leuten die falsche Behauptung aufgestellt wird, es handele sichim wesentlichen um die von Widema geforderte Route.

Die besonders betroffenen Orte, wie Wicker, Massenheim, Delkenheim sowie Eddersheim und Weilbach werden derzeit nicht umflogen sondern es wird dicht an den Ortsrändern oder gar direkt über die Orte geflogen.
Es wird von FRA kommend zu spät Richtung Wallau-Industriegebiet abgedreht. Gemäß WIDEMA-Vorschlag sollte nach Wallau-Industriegebiet in Richtung TAU nur über unbewohntes Gebiet mit Hilfe von way-points (neues Flight-Management-System) geflogen werden, also nicht, wie z.Zt. praktiziert, über die A3-Nordanrainer-Ortschaften.

Grundsatz muss bleiben:

Die am nächsten zu FRA gelegenen Ortschaften an der Nord Abflugroute müssen von Fluglärm entlastet werden!
Mit dem neuen Abflugpunkt TABUM (10 km östlich Bad Camberg), den die Flieger ansteuern müssen, (statt bisher TAU) besteht jetzt die beste Möglichkeit die Fox-Route weiter zu optimieren durch Realisierung der WIDEMA-Routenführung. Siehe WIDEMA-Skizze vom 6.3.01.

Vorteile dieser bisher nicht umgesetzten WIDEMA-Route:
- Eddersheim und Weilbach werden umflogen.
- Die Route liegt zwischen Weilbach und Wicker und kann im weiteren
Verlauf näher Richtung A3 geführt werden.
- Auch nach Wallau-Industriegebiet werden keine Ortschaften mehr direkt
überflogen.
- Der Way-point bei Auringen/Medenbach würde dann zwischen
Niederjosbach/Vockenhausen liegen. Hier wird (Aussage Herr Bruinier in
Erbenheim am 5.3.01) „bereits überhoch und leise“ geflogen
- Der WIDEMA-Grundsatz „keine Bündelung über Wohngebiete“ wird damit
umgesetzt.
2. Schwermaschinen

Bis zu 70 % der insgesamt von FRA abfliegenden 3- und 4-motorigen Schwermaschinen fliegen über die Nordabflugroute, wobei die Lufthansa Flotte den größten Anteil stellt.
Die überproportional hohe Anzahl startender Maschinen auf der Nordroute kann nicht akzeptiert werden, da dies eine Verdoppelung der Überflüge seit WIDEMA-Antragstellung 1999 bedeutet.
Derzeit wird direkt über die Ortschaften von WIDEMA, aber auch stark über Nordenstadt geflogen. Teilweise wird direkt über bzw. hinter Wicker abgedreht,um dann direkt über Massenheim und Delkenheim weiter zufliegen.
Wir haben auch den Eindruck, dass an Stelle der auf die Fox-Route verlegten kleineren Jets, die trotz entsprechender Höhe diese vorgeschriebene Route nicht immer einhalten, vermehrt Schwermaschinen auf die Nordroute geschickt werden!
Und wenn wir feststellen, dass einzelne Schwermaschinen heute schon die Fox-Route fliegen, weil sie schon die vorgeschriebene Abdrehhöhe erreicht haben, ist die Frage zu stellen warum uns insbesondere Lufthansa Maschinen wie an der Schnur gezogen auf Radial 260 ° zentral überfliegen müssen?
Wird hier bewusst ein zu flacher Steigwinkel vorgegeben, obwohl die Steigleistung höher sein könnte?
3. Klagen

Die Städte Offenbach und Neu Isenburg haben Klage eingereicht gegen den Ist-Zustand, Raunheim wird im Mai folgen, der Main-Kinzig-Kreis, der Förderkreis Fluglärmklage Darmstadt, die Städte Kelkheim, Eppstein, Bad Soden, Königstein, Schmitten, Glashütten sowie Wiesbaden und Mainz klagen gegen die zum 19.04.2001 vorgesehenen neuen An- und Abflugrouten.
Vor diesem Hintergrund werden wir immer wieder gefragt, was eigentlich die drei Klagevereine Hattersheim, Flörsheim, Hochheim zur dringend gebotenen Entlastung der Nordschiene zu tun gedenken. Es herrsche der Eindruck, man konzentriere sich ausschließlich auf die Verhinderung des Ausbaus von FRA und schenke dem Ziel einer Reduzierung des heute schon vorhandenen Fluglärms zu wenig Beachtung.
Hierzu ist unser Wissensstand wie folgt:

Der Verein „Für Flörsheim“ hat als ersten Schritt gegen die schon jetzt unerträgliche Belastung über die Rechtsanwälte, die gemeinsam für Flörsheim, Hochheim und Hattersheim tätig sind, im Vekehrsministerium beantragt, die Betriebsgenehmigungen für den Frankfurter Flughafen so zu verändern, dass der Fluglärm wieder deutlich zurückgeht. Sollte innerhalb absehbarer Zeit keine befriedigende Antwort ergehen, wird Klage eingereicht gegen den derzeitigen Fluglärm, der auch nach unserer Auffassung deutlich über das hinausgeht, was die Betriebsgenehmigungen hergeben.

4. Lärmmessungen

Die katastrophale Ist-Situation für Wicker und Flörsheim und Umgebung ist vom Institut DeBakom durch die im Sommer 2000 durchgeführten Fluglärmmessungen eindrucksvoll belegt.

Die gemessene Höhe der Lärmpegel, deren Dauer, Frequenzstruktur und Anzahl am Tag und in der Nacht übersteigen schon jetzt das Maß der Zumutbarkeit für Wicker.

Der Dauerschallpegel liegt tagsüber zwischen 65 und 70 dB(A), nachts sogar zwischen 55 und 60 dB(A), wobei Einzelschallereignisse mit bis zu 100,5 dB(A) gemessen wurden!
Aus der o.a. Untersuchung lässt sich leicht erkennen, dass auch Massenheim und Delkenheim unter der gleichen Ist-Situation wie Wicker leiden müssen.

Betrachtet man das Ergebnis dieser Untersuchung kann man sich vorstellen, welcher Lärm bei der von der DFS geplanten Erhöhung der Anzahl der Schwermaschinen um nochmals 30 pro Tag bzw. nach Ausbau von FRA entstehen wird.

5. Lärmkommission

Aufgrund der vorliegenden Fakten fragt WIDEMA erneut, wann die mit Antrag vom November 2000 an die Fluglärmkommission gestellten Forderungen, die nach Aussage von Flörsheims Ex-Bürgermeister

Wolf und Frau Hinninger vom Umweltamt Wiesbaden noch in der Prüfung sind, endlich umgesetzt werden.
X % der startenden 3- und 4-motorigenSchwermaschinen müssen wieder auf die von der DFS als lärmunsensiblere Routen in den Süden zurückgelegt. Sie müssen z.B. über vormals RÜD zum Abflugpunkt GOGAS (St. Goarshausen) geleitet werden. Nach Aussage der DFS könnte diese Route jederzeit aktiviert werden. Dieses Gebiet ist im Gegensatz zum Norden ein flaches Gelände.

Bei gleicher Abflugentfernung von FRA und gleichem Steigwinkel erreichen die Maschinen im Süden schneller eine höhere Überflughöhe über Grund und verursachen deshalb dort, im Gegensatz zu den topographisch höher gelegenen Gebieten im Norden, einen geringeren Bodenschall.

Es muss nach dem Prinzip einer möglichst gleichmäßigen Verteilung der Gesamtbelastung einer Region zu einer Entlastung der schwerstbelasteten Gemeinden übergegangen werden.

So darf es nicht sein, dass bei einer Entlastung zugunsten des gesamten Südens, Ortschaften an der Nord-Abflugroute durch eine erhöhte Belastung noch mehr Fluglärm erhalten.

Wicker hält schon jetzt den unrühmlichen Spitzenplatz in Hinblick auf Fluglärm imRhein-Main-Gebiet.

Die Stadt Flörsheim muss in der Fluglärmkommission einen Sitz mit vollem Stimmrecht erhalten, um unsere Region besser vertreten zu können.
Das derzeit in der Lärmkommisssion und in der Arbeitsgruppe Lärmlastenausgleich bestehende Ungleichgewicht der Stimmenanteile zwischen Nord- und Südanliegern des Flughafens muss so verändert werden, dass beide Regionen in Zukunft mit gleichem Stimmenanteil vertreten sind.

6. Nachtpostmaschinen

Es ist festzustellen, dass nach wie vor Nachtpostmaschinen auf der alten Route, also teilweise wieder über WIDEMA-Orte und nicht auf der Fox-Route fliegen. Dies muss unverzüglich abgestellt werden.

Es ist zugesagt, dass ab 19.04. nachts keine Schwermaschinen über die Nordabflugstrecke rausgehen. Wir werden beobachten, ob diese für uns positive Entscheidung auch tatsächlich umgesetzt wird.

7. Forderungen an die DFS

Mit den neuen Abflugpunkten TABUM und GOGAS soll nach Aussage der DFS auf einer Veranstaltung am 05.03.01 in Erbenheim die Anzahl der Schwermaschinen nun nochmals um 30 Maschinen pro Tag erhöht werden. Dies würde gegenüber 1999 fast eine Verdreifachung bedeuten.
Wir halten dies für unzumutbar und unvertretbar.

In der Ortsbeiratssitzung in Weilbach erklärte die DFS Ende März, eine Erhöhung der Anzahl finde nicht statt.

Widersprüche, die dringend aufzuklären sind.

Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm muss Vorrang vor den wirtschaftlichen Interessen der Fluggesellschaften haben.

Geringfügige Umwegstrecken der Schwermaschinen im Verhältnis zur Gesamtflugstrecke fallen nicht ins Gewicht.

Die Maschinen in Richtung TABUM und GOGAS dürfen nicht mehr über Radial-Leitstrahl geführt werden sondern müssen mittels „way-points“ über unbewohntes Gebiet geleitet werden.

Es muss nach Süden und Norden entsprechend gestreut werden.

Politische und technische Gründe, die dieses angeblich verhindern, müssen aus der Welt geschafft werden, so dass den vom Fluglärm am schwersten Betroffenen durch eine entsprechende Verlagerung geholfen wird.

Maschinen, die eine Höhe von 3500 Fuß erreicht haben und trotzdem erst über oder hinter Wicker abdrehen, müssen zwingend schon vor Wicker die Fox-Route einhalten.

WIDEMA erkennt an, dass die DFS eine schwierige Aufgabe zu erfüllen hat. Sie muss Flugzeugen zu einem sicheren Start und zu einer sicheren Landung verhelfen. Sie muss die Sicherheit des Luftraums und damit auch unsere Sicherheit gewährleisten.

WIDEMA erkennt aber nicht an, dass die DFS, die auch eine Verantwortung für die Bewohner des Rhein-Main-Gebietes hat, die Interessen der Bürger dieser Region bisher weitgehend ignoriert.

Die DFS, die als einzige Institution sowohl über die Kompetenz als auch über die technischen Möglichkeiten verfügt Fluglärm zu verteilen, wird dieser Verantwortung nicht gerecht.

Die von Fluglärm betroffenen Bürger stufen die DFS so lange als Interessenvertretung des Flughafenbetreibers und der Fluggesellschaften ein, bis erkenntlich wird, dass die DFS auch die Gesichtspunkte einer möglichst ausgewogenen Lärmverteilung in ihre Entscheidungen einbezieht.

8. Aufruf

WIDEMA fordert alle Kommunen, Klagevereine, Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen auf, sich zum Schutze der Menschen und der Umwelt im Rahmen der „Nordschiene” miteinander und nicht gegeneinander, gemeinsam gegen FRAPORT zu engagieren.
Wir fordern alle Bürger auf, den bestehenden Gruppierungen beizutreten und diese finanziell zu unterstützen.

FRAPORT schädigt schon heute die Gesundheit aller von Fluglärm betroffenen Bewohner im Rhein-Main-Gebiet und beeinträchtigt deren Lebensqualität in unerträglichem Maß.

WIDEMA-Vorstand, April 2001

Anlage:
Flugroutenskizze WIDEMA v. 06.03.01
Verteiler:
Dieter Wolf Flörsheim
Bürgermeister Krebs Flörsheim
Frau Hinninger, Umweltamt Stadt Wiesbaden
(diesen drei Personen mit der Bitte um Antragstellung bei der Fluglärmkomm. bzw. Lärmlastenausgleichkom.)
WIDEMA Mitglieder und Förderer
Frau Eder, Flörsheim
Für Flörsheim e.V.
Bürgermeister Franssen Hattersheim
Klageverein Hattersheim
BI Eddersheim
Bürgermeister Schindler Hochheim
Klageverein Hochheim
Ortsbeirat Delkenheim
Ortsbeirat Massenheim

Flugroutenskizze WIDEMA v. 06.03.01:
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