Info 2 / 2000

Liebe Mitglieder, Förderer und Freunde der WIDEMA,

wir halten es für wichtig, Ihnen allen, die sich mit uns verbunden fühlen, wieder Bericht zu erstatten über unsere Arbeit, über Aktivitäten, die stattgefunden haben, über Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt und über Entwicklungen im Zusammenhang mit unseren Bemühungen für eine gerechtere Fluglärmverteilung.

Wir können Ihnen ein gutes Ergebnis unserer intensiven Arbeit mitteilen:

In der von der FAG herausgegebenen „START-Zeitung“ vom Juni diesen Jahres steht im Artikel „Andere Routen sollen Entlastung bringen“:

(Zitat) „Mit einem 34 Seiten starken Papier der BI WIDEMA fing alles an: Auf Antrag der Stadt Flörsheim wurde es in eine Sitzung der Fluglärmkommission eingebracht. ...ein Vorschlag wurde nun umgesetzt“. (Zitat Ende).

Dies bedeutet, dass ab 07.09.00 entsprechend dem Vorschlag der WIDEMA für eine Probezeit von einem Jahr eine Flugroutenverlegung, weg von WIDEMA – Land, erfolgt.

Die aus unserem Antrag noch offenen Punkte müssen noch Zug um Zug von der Fluglärmkommission abgearbeitet werden.
- Schwermaschinen
- Fluglärmmessung
- Fluglärmverteilung
- Dialogforum
- Nachtflug/Postmaschinen

1. Situation Schwermaschinen über WIDEMA-Land

Große Sorgen bereiten uns nach wie vor die Schwermaschinen, die niedrig und laut über uns fliegen!
Wir wissen zwischenzeitlich aus der z. Zt. in Wicker durchgeführten Fluglärmmessung, dass mindes-tens 80 Flugzeuge/Tag mit > 75 dB(A), davon ca. 50 mit > 80 dB(A) Einzelschallereignis, über uns donnern!
Dies sind Werte, die gesundheitsschädlich sind! Dies ist zu viel!!
Aus den von uns im Jahr 1998 gemachten Aufzeichnungen können wir nachweisen, dass zum damaligen Zeitpunkt 30 – 35 Schwermaschinen/Tag über WIDEMA geflogen sind. Im Februar d.J. hat sich die Zahl bereits auf über 70 Schwermaschinen/Tag erhöht. Dies ist eine Steigerung um 100%!
Nach dem Ausbau des Flughafens erhöht sich diese Zahl nochmals um mindestens 100%, d.h. ca. 150 Schwermaschinen/Tag über uns !!!!

Ursache für die Zunahme der Schwermaschinen ist eine Verlegung von den fünf Südabflugrouten auf die einzige WIDEMA – Abflugroute.
Wichtigstes Ziel muss es daher nach wie vor sein, eine gleichmäßige Verteilung über das gesamte Rhein-Main-Gebiet zu erreichen. D.h. zum Beispiel auch mehr Maschinen wieder zurück auf die Startbahn 18-West – Abflug nach Süden - zu verlegen bzw.-entsprechend dem Antrag von WIDEMA- über unbewohntes Gebiet zu fliegen!
Die schreckliche Katastrophe in Frankreich muss auch hier all jene zum unverzüglichen Handeln bringen, die immer noch einer Abflugbündelung über Wohngebiete das Wort reden. Das Sicherheitsrisiko kann doch nicht weiterhin bagatellisiert werden.
Gesundheit der Menschen muss vor Profitdenken der Airlines gehen. Fluggesellschaften wie die Deutsche Lufthansa, die uns mit fast ihrer gesamten Schwermaschinenflotte überfliegt, müssen durch lautstarke Proteste gezwungen werden, im Gesundheits- und Sicherheitsinteresse der Bevölkerung notwendige Umwege zu fliegen.

Was ist zu tun?
Wir werden nach wie vor bei den für diese Situation verantwortlichen Stellen Druck machen.
Beschweren Sie sich zusätzlich bei allen zuständigen Stellen, damit eine breite Beschwerdebasis entsteht!
Schreiben Sie Leserbriefe, rufen Sie das Beschwerdetelefon am Flughafen an unter der Nummer
069 - 69 02 20 01, dann darauf bestehen, dass Sie mit der Beschwerdestelle für Fluglärm verbunden werden oder kostenfrei unter der Nummer 0800 – 23 45 67 9.
Herr Bürgermeister Wolf, Flörsheim, für den Main-Taunus-Kreis und Frau Dezernentin Hinninger für Wiesbaden sind Mitglieder in der Fluglärmkommission und auch für Sie Ansprechpartner, die sich für unser Anliegen zur gerechten Fluglärmverteilung einsetzen. Auch an diese können Sie sich mit Ihren Problemen wenden.
Herr Bürgermeister Wolf, Rathaus, Tel. 06145 – 95 50
Frau Dezernentin Hinninger, Umweltamt Wiesbaden, Tel. 0611 – 31 28 90

2. Lärmmessung

In Wicker sind z. ZT. zwei Messgeräte in Betrieb, die alle Überflüge registrieren und die dB(A)-Werte aufzeichnen. Ein Gerät des TÜV Rheinland Pfalz - auf Veranlassung, d.h. auf Kosten der FAG - steht im alten Ortskern. Ein zweites Gerät steht mehr am Ortsrand genau unter der Abflugroute. Dieses Gerät wude auf Veranlassung der Stadt Flörsheim aufgestellt und wird auch von dieser bezahlt, d.h. eine von der FAG unabhängige Messung wird hier durchgeführt.
Die Aufzeichnungen sollen die seit 2 Jahren bestehende Ist-Situation aufzeigen! Wir können aber sicher sein, dass die registrierte Durchschnittsbelastung genau im gesetzlichen Limit liegen wird. Dies kann von der Deutschen Flugsicherung (DFS) durch entsprechende Streuung von Abflügen über die Startbahnen 18 West nach Süden und 25 nach Westen/Osten leicht erreicht werden, d.h. die Werte über WIDEMA können leicht manipuliert werden, um niedrigere Werte zu erreichen. Diese niedrigeren Dauerschallpegel geben nicht die Fluglärmsituation wieder, die wir in den letzten 1½ Jahren ertragen mussten. Dies können nur die Einzelschallereignisse. Wir sind sicher, dass Flüge deswegen von einer Bahn zur anderen verschoben werden. Die Maschinen fliegen plötzlich über uns teilweise höher als früher. Diese Änderung kann man deutlich wahrnehmen.
Da zwischenzeitlich aber Gerichte bei der Beurteilung von durch Lärm verursachten Gesundheitsschäden mehr und mehr dazu übergehen, Anzahl und Schallpegel der Einzelschallereignisse heranzuziehen, erhalten wir durch die Messungen zumindest eine Datenbasis, auf der sich ggfs. eine Klage aufbauen lässt.

Ob Klagen gegen Fluglärm möglich sind, prüft z. Zt. eine Rechtsanwaltskanzlei in München in einem gemeisamen Auftrag der Städte Flörsheim, Hochheim und Hattersheim. Bei der Erstellung des juristischen Fragenkataloges ist WIDEMA intensiv eingebunden gewesen.

3. Lärmverteilung

Bei seinem heimlichen Blitzbesuch in Wicker - zu einer ausgesucht lärmarmen Tageszeit - hat Mins-terpräsident Roland Koch ausdrücklich bestätigt, dass Flugrouten optimiert werden müssen, um die Lärmlasten zu verteilen (siehe HK vom 15.06.00). Die Bündelung über Wohngebieten muss aufhören.
Wir haben deshalb versucht, mit den verantwortlichen Kommunalpolitikern in Hofheim ein sachliches Gespräch zu führen, um an deren Solidarität zu appellieren, da die von Fluglärm hoch belasteten Gebiete, wie z.B. WIDEMA, nur dann etwas Erleichterung erfahren können, wenn andere akzeptieren, etwas mehr Lärm in Kauf zu nehmen. Die Bereitschaft hierzu ist in Hofheim nicht vorhanden.
Viele von Ihnen haben sicherlich in der Presse verfolgt, dass die verantwortlichen Kommunalpolitiker in Hofheim die Umsetzung des WIDEMA-Vorschlages, leichtere und mittelschwere Maschinen früher, d.h. östlich von uns, nach Norden abdrehen zu lassen, als Blödsinn bezeichnet haben. (siehe WK vom 09.06.00). Vielmehr schimpft man über die Verlegung der Route in Richtung A3, verschweigt dabei aber, dass diese Route bis vor 2 Jahren – vor Einführung der Bündelungsstrategie – als offizielle Abflugroute in allen Flug- und FAG- Karten geführt und auch genutzt wurde.
Eine ähnliche Haltung ist von all jenen zu erwarten, die in Zukunft - nach Einführung einer gerechteren Lärmverteilung - ein modernes Lärmmanagement, wie es anderenorts betrieben wird, vehement ablehnen werden und mit unsachlichen Argumenten den Ist-Zustand zu unseren Lasten aufrecht erhalten wollen.
Der einjährige Probebetrieb soll , wie auf Drängen und Antrag der WIDEMA hin bei Gesprächen mit der Fluglärmkommission von dieser zugesichert, am 7.9.00 beginnen.

4. Regionales Dialogforum

Dieses Forum ist ein Bestandteil des Ergebnisses der Mediation zum Ausbau des Flughafens.
Wir wollen im Regionalen Dialogforum unsere Forderung deutlich machen, dass wir für eine gerechte Verteilung des Fluglärms im gesamten Rhein-Main-Gebiet sind – Rotationsverfahren oder Kontingetierung. Deshalb haben wir rechtzeitig bei Ministerpräsident Roland Koch unseren Antrag auf Teilnahme am Dialogforum gestellt. Trotzdem wurden wir mit dem Bündnis der BI, das sich bekanntlich verweigert hat, in einen Topf geworfen und unser Antrag wurde abgelehnt. Herr Koch will keine lästigen Kritiker in „seinem“ Forum. Die Begründung, „die selektive Aufnahme von WIDEMA hätte zu einer ungerechtfertigten, einseitigen Bevorzugung gegenüber den Mitbewerbern geführt“, können wir nicht akzeptieren. Es ist in unseren Augen eine billige Ausrede. Durch entsprechende Presseartikel haben wir unseren Standpunkt deutlich gemacht.
Unser Antrag zur Aufnahme liegt nun bei den Mitgliedern des Regionalen Dialogforums. Dort soll Ende Juli über alle noch vorliegenden Aufnahmeanträge beraten und im August entschieden werden, wer die fünf noch freien Forumsplätze erhält. Es sind bekanntlich mehr Bewerber vorhanden, als Plätze zur Verfügung stehen. Wir hoffen trotzdem auf Aufnahme.

5. Nachtflug/Postmaschinen

Z. Zt. starten nachts zwischen 01:00 und 04:00 Uhr bis zu 10 laute Postmaschinen über WIDEMA. Dies ist nicht erforderlich.
Die Fluglärmkommision diskutiert aufgrund unserer Forderungen z. Zt. die Verlegung der Postmaschinen nach Hahn in der Eifel.
Wir gehen davon aus, da eine Entscheidung noch aussteht, dass auch Postmaschinen wie Passagiermaschinen behandelt werden, d.h., sie müssen auch über die von WIDEMA geforderte optimierte Route über unbewohntes Gebiet geführt werden.

Da die Deutsche Flugsicherung (DFS) alle Abflugrouten verbindlich festlegt, ist diese Einrichtung für die gesundheitsschädigende Fluglärmbelastung im Rhein-Main-Gebiet voll verantwortlich!!!

Wir werden Sie über alle Ereignisse weiter informieren.

Werben Sie bitte ein weiteres Mitglied für WIDEMA.
Sie haben die besten Argumente.

Mit freundlichen Grüßen

WIDEMA e.V.
Der Vorstand

August 2000

Anlage
Beitrittserklärung