Info 19 / 2008

Infobrief Nr. 19, April 2008

WIDEMA kämpft seit 1998

Rückblick auf 10 Jahre intensive Arbeit

Anfang 1998 haben acht engagierte Bürger aus den Orten Wicker, Delkenheim und Massenheim die Bürgerinitiative WIDEMA ins Leben gerufen.

Die Gründungsmitglieder sind alle heute noch an Bord und teilweise aktiv im Vorstand tätig. Anlass zur Gründung war die von der Deutschen Flugsicherung (DFS) verfügte Bündelung von Abflügen auf den Nordwestrouten, wodurch unsere Ortschaften zentral überflogen wurden. Die getroffene Entscheidung zur Bündelung, die ohne vorherige Information über die Köpfe der betroffenen Bevölkerung hinweg erfolgte, hatte dazu geführt, dass wir damals eine Steigerung der täglichen Überflüge auf 260 – 270 Flugbewegungen hinnehmen mussten. Davon waren 70 - 80 Überflüge Schwermaschinen, die Einzelschall-Belastungen von mehr als 80 dB(A) verursachten. WIDEMA hat in einem umfangreichen Antrag an die Fluglärmkommission (FLK) detaillierte Vorschläge zur Reduzierung von Fluglärm vorgelegt. Fachleute bescheinigten diesem Antrag ein hohes Maß an Sachkompetenz und Realisierbarkeit. Eine Reihe wesentlicher Verbesserungen konnte bis heute durchgesetzt werden. Dank großzügiger Spenden unserer Mitglieder und Förderer, durch Zuwendungen der Städte Flörsheim, Hochheim und befreundeter Vereine können wir eine stationäre und eine mobile Fluglärm-Messanlage betreiben, die wir laufend modernisieren. Durch die tägliche Konfrontation mit dem Thema Fluglärm seit 1998, durch intensive Gespräche mit Experten, durch Seminare und durch die Mitarbeit in verschiedenen Gremien hat sich der WIDEMA-Vorstand kompetentes Fachwissen erworben. Dadurch sind wir in der Lage, den Forderungskatalog an die Fluglärmverursacher immer weiter zu konkretisieren, die Realisierbarkeit zu begründen und im Interesse der von uns vertretenen Menschen für die Umsetzung einzutreten. Durch unsere Mitarbeit im Regionalen Dialogforum (RDF) und den angegliederten fünf Projektteams, haben wir dazu beigetragen, dass wichtige Gutachten erstellt wurden. So z.B. „Externe Kosten des Flughafens“, die umfangreiche und auch international anerkannte Studie „Belästigung durch Fluglärm im Umfeld des Frankfurter Flughafens“, „Entwicklung der Immobilienpreise“, die „Empa-Studie (Überwachung von Fluglärm)“, um nur die wichtigsten zu nennen. Wir hoffen, dass es uns gelungen ist, in unserer Öffentlichkeitsarbeit einen unverwechselbaren WIDEMA Stil zu entwickeln. Harte Kritik in der Sache, Klartext in der Beschreibung von Sachverhalten oder persönlichem Fehlverhalten, aber keine Tritte unter die Gürtellinie. Der Übersicht wegen haben wir uns bei der nachfolgenden Aufzählung nur auf Schwerpunkte unserer Arbeit beschränkt und die Erläuterungen jeweils kurz gehalten. Detailliert haben wir in unseren früheren Infobriefen 1–18, in zahlreichen Sonderdokumentationen und Presseerklärungen berichtet.
Wer mehr wissen möchte, dem empfehlen wir unsere Internetseite unter www.widema.de , dort finden Sie z. B. die Ergebnisse unserer Fluglärm-Messungen, den täglich aktuellen Pressespiegel, Meinungsbilder, Hintergrundinformationen usw.

WIDEMA-Themenschwerpunkte

1998/1999

Die Gründungsmitglieder wählen einen Vorstand und beschließen, die Bürgerinitiative als eingetragenen Verein zu führen. Die WIDEMA-Satzung wird erstellt und vom Amtsgericht genehmigt. Der Verein wird in das Vereinsregister eingetragen. Die Mitgliederwerbung läuft an. In zwei Großveranstaltungen in Wicker werden der Bevölkerung die Grundsätze und Ziele der WIDEMA und der umfangreiche Antrag zur Reduzierung des Fluglärms über WIDEMA-Land vorgestellt. Der WIDEMA-Antrag zur Lärmminderung wird der Fluglärmkommission (FLK) vorgetragen und zur Entscheidung übergeben. Wir müssen bald erkennen, dass die FLK keine Kompetenz zur Durchsetzung unseres Antrages hat. Fraport, DFS, Lufthansa und Fluglärm-Schutzbeauftragter blocken ab. WIDEMA kritisiert öffentlich die unzulängliche Arbeitsweise der Kommission, nachdem unser Antrag zwischen der FLK und einer neu geschaffenen Untergruppe „Lärmlastenausgleich“ hin und her geschoben wird.

2000

Die Geschäftsstelle des Vereins wird in Wicker eingerichtet, in Massenheim und Delkenheim entstehen Kontaktstellen. Die probeweise eingerichtete Startroute für Schwermaschinen (über Wiesbaden), die WIDEMA-Land entlastet, wird von der DFS rückgängig gemacht. WIDEMA legt Beschwerde ein und schlägt gleichzeitig die Einrichtung einer neuen Route entlang der A3 vor. Auf diese Route sollen die Flugzeuge über freiem Feld zwischen Wicker und Weilbach eindrehen. Dem Antrag wird nach zähen Verhandlungen stattgegeben. Die „FOX-Route“ wird probeweise für 1 Jahr eingeführt. WIDEMA beantragt ständigen Sitz und Stimme im Regionalen Dialogforum (RDF). Dieser Antrag wird zunächst abgelehnt. WIDEMA Vertreter werden allerdings in die fünf Projektteams berufen, die dem RDF zuarbeiten. Zusammen mit den BI „Kinder gegen Fluglärm“ und „Stiller Protest“ erhält WIDEMA den Umweltpreis der Stadt Flörsheim. WIDEMA fordert Lärmmessungen in Wicker. Der TÜV Rheinland Pfalz (Auftraggeber Fraport) und Institut DeBaKom (Auftraggeber Stadt Flörsheim) messen in Wicker. Ergebnis: Wicker ist ein Fluglärm-Brennpunkt. Fraport lehnt die Einrichtung einer permanenten Fluglärm-Messanlage in Wicker ab. Begründung: … es stehen dafür keine Finanzmittel zur Verfügung…

2001

WIDEMA schafft eine eigene Messanlage an, die fest in Wicker stationiert wird. WIDEMA erhält Sitz und Stimme im RDF. Die Zusammensetzung der FLK wird von WIDEMA beanstandet, weil die Süd-Anrainer des Flughafens dort überproportional gut vertreten sind, während die Kommunen unter den Nord-West Abflugrouten unterrepräsentiert sind. Die Stadt Flörsheim hat z.B. nur eine halbe Stimme. Dies hat zur Folge, dass Anträge zur Entlastung der Nordabflugrouten gegen die Mehrheit der Süd-Anrainer nicht durchsetzbar sind. WIDEMA trägt der FLK einen Situationsbericht über die Fluglärmbelastung in WIDEMA-Land vor und beantragt, die Anzahl der Schwermaschinen, 70 – 80 Flugbewegungen (Fbw)/Tag wieder auf die Lärm unsensible Südroute (18 West) zurück zu verlagern. Dies gilt auch für die nächtlichen Postflüge, die über die Nordwest-Abflugrouten starten. Die FLK entscheidet letzteres in unserem Sinne und die DFS setzt das um. Nachts fliegen keine Schwermaschinen (Post- und Frachtflieger) über WIDEMA-Land. WIDEMA stellt auf einer Großveranstaltung vor, wie ein Rotationsmodell für Fluglärm funktioniert und wie die Lärmbelastung in der Gesamtregion Rhein Main ausgewogen verteilt werden kann.

2002

Das einem Planfeststellungsverfahren (PFV) voraus gehende Raumordnungsverfahren wird abgeschlossen. Der Regierungspräsident in Darmstadt formuliert in seiner abschließenden Stellungnahme zunächst: …die Verwirklichung der Vorhabensvarianten Nordwest, Nordost und Süd ist mit den Erfordernissen der Raumordnung nicht vereinbar… Das hätte ausgereicht den Ausbau zu verhindern. Verkehrsminister Posch setzt durch, dass folgender Text nachgeschoben wird:
…Die Vereinbarkeit kann hergestellt werden, wenn die Regionalversammlung Südhessen den Regionalen Raumordnungsplan ändert… WIDEMA hat diese Vorgehensweise als abgekartetes, falsches Spiel bezeichnet, denn reihenweise sind Politiker umgefallen und haben dem ursprünglich abgelehnten Ausbau jetzt zugestimmt. Die ersten Informationsveranstaltungen laufen an, über die bevorstehenden PFV zum Bau der A380- Werft im Bannwald und der neuen Landebahn im Kelsterbacher Wald. WIDEMA berät die Bevölkerung in Informationsabenden, Bürgersprechstunden und Presseveröffentlichungen, wie man seine Rechte wahrt und hilft bei der Formulierung von Einsprüchen.
WIDEMA stellt fest, der Bau der A380-Werft kann innerhalb des Flughafenzauns realisiert werden. Massives Abholzen von Bannwald kann vermieden werden. Im Vorfeld dieses Bauvorhabens haben Fraport Vertreter sowohl die Öffentlichkeit, als auch die mit dem Bauantrag befassten politischen Gremien getäuscht. Dem WIDEMA Antrag an die FLK wird stattgegeben. Die Städte Flörsheim, Hochheim und Wiesbaden erhalten je einen Sitz in der FLK und volles Stimmrecht. WIDEMA schließt sich einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Verantwortliche der DFS und des Luftfahrtbundesamtes an, um zu erreichen, dass diese endlich ihrer gesetzlichen Pflicht zur Lärmminderung ernsthaft nachkommen. WIDEMA beantragt sowohl im RDF, als auch bei der FLK, die Einführung Lärm mindernder An- und Abflugverfahren, die an anderen Weltflughäfen praktiziert werden. Die von WIDEMA in Wicker durchgeführten Lärmmessungen ergeben eindeutig, dass hier die Grenzwerte zur Gesundheitsschädigung überschritten werden. WIDEMA weist nach, dass überall im Umkreis des Flughafens, wo von Fraport unabhängige Sachverständige messen, um 3-5 dBA höhere Werte aufgezeigt werden, als von Fraport veröffentlicht werden.

2003

WIDEMA erstattet Ordnungswidrigkeitsanzeige gegen die DFS wegen mangelnder Bereitschaft, Lärm mindernde Maßnahmen einzuführen. Die Weiterverfolgung unserer Beschwerde und Anzeige müssen wir schließlich aus finanziellen Gründen aufgeben. WIDEMA fordert zur intensiven Risikobetrachtung auf. Was bewegen eigentlich die Amerikaner an gefährlichen Gütern und Kriegsgerät am Frankfurter Flughafen? Der Chemiebetrieb Ticona, Tankläger, Vogelschwärme usw. sind ein hohes Gefahrenpotential für den Flugbetrieb. Bei verschiedenen Veranstaltungen zum Thema Fluglärm ist WIDEMA mit einem Info-Stand vertreten, so beim Protesttag des Vereins für Flörsheim im Schützpark, bei der Bürgerversammlung in der Stadthalle in Flörsheim und beim „Mahnfeuer“ ebenfalls in Flörsheim. WIDEMA setzt durch, dass zur Lärmwirkungsforschung die Machbarkeitsstudie in Wicker gestartet wird. WIDEMA beteiligt sich an der Fragebogenaktion, die zum Ziel hat, im weiteren Fortgang des PFV vorgefertigte Einwendungsschreiben für von Fluglärm Betroffene zu erstellen. WIDEMA erhält die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Bürgermeister Jühe, Raunheim, wird neuer Vorsitzender der FLK. Neue Mitglieder der FLK aus der hiesigen Region sind Bürgermeister Krebs, Flörsheim, Kreisbeigeordneter Cyriax, MTK und Prof. Pös, Umweltamt Wiesbaden. WIDEMA führt mit allen „Neuen“ ausführliche Gespräche mit dem Ziel, unsere bei der FLK schmorenden Anträge voranzutreiben. WIDEMA lässt Arbeit im RDF
ruhen, nachdem 11 von 13 Kommunen diesen Schritt vollziehen. Ohne Verbesserungen des Geschäftsganges und der Geschäftsordnung erscheint eine weitere Mitarbeit nicht sinnvoll. Nach Beseitigung struktureller Nachteile für Kommunen und Bürgerinitiativen und Einführung gewünschter Verbesserungen wird die Mitarbeit wieder aufgenommen Der Fluglärmschutzbeauftragte, dem WIDEMA-Land die Bündelung der Abflüge mit verdankt, geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger kommt aus dem gleichen Stall (Lufthansa) und verweigert sich dem Gespräch mit Bürgerinitiativen. An dieser unakzeptablen Arroganz hat sich bis heute (2008) nichts geändert. Dieser Fluglärm-Schutzbeauftragte hat nicht das Vertrauen der Bevölkerung. WIDEMA fordert die Landesregierung auf, die Kosten für diese Stelle einzusparen.

2004

Die Nordabflugroute Fox wird als „WIDEMA-Route“ verbindlich eingeführt. Danach drehen alle nach Norden startenden Maschinen, die an einem bestimmten Punkt ca. 1200m Höhe erreicht haben, auf die Fox-Route zwischen Wicker und Weilbach ein und fliegen entlang der Autobahn A3.WIDEMA fordert erneut die präzise Einhaltung der Fox-Route. Im RDF werden die im WIDEMA-Antrag an die FLK genannten An- und Abflugverfahren wie z. B. Steilstartverfahren, versetzte Landeschwelle, CDA
Anflüge usw. exakt definiert und die Einführung empfohlen. Auch die FLK spricht sich für die Einführung aus. Lufthansa, Fraport und DFS blocken wiederum mit fadenscheinigen Argumenten ab. WIDEMA deckt auf, dass Fraport sich mit der Verweigerungshaltung nur ein Lärmpolster verschaffen will, um nach dem Ausbau und nach Einführung der heute schon machbaren Lärmminderungs-maßnahmen sagen zu können, der Ausbau habe letztendlich keine Lärmerhöhung mit sich gebracht. Die Diskussion um das durch den Flugbetrieb hervorgerufene Sicherheitsrisiko wird heftiger. Die Bundes-Störfallkommission weist nach, dass neue Bahn und Betrieb des Chemiewerks Ticona nicht vereinbar sind. Auch das augenblickliche Risiko sei so hoch, dass unverzügliche Maßnahmen erforderlich seien. WIDEMA fordert erneut ein ausgewogenes Fluglärm-Verteilungskonzept für die Gesamtregion. WIDEMA kritisiert das im Planfeststellungsantrag der Fraport enthaltene Nachflugverbot. Das Verbot soll nur in der Betriebsgenehmigung stehen und kann somit jederzeit widerrufen werden. Eine entspr. Generalklausel lehnen wir ab. WIDEMA wiederholt die alte Forderung, über ein Flughafensystem mit Fraport als zentralem Hub und Satelliten-Flughäfen nachzudenken. Es sind genug freie Kapazitäten vorhanden. Der Ausbau in Frankfurt ist nicht zwingend erforderlich. Fraport und Landesregierung müssen einräumen, dass sich der Ausbau um Jahre verzögern wird.

2005

WIDEMA veröffentlicht eine umfangreiche Ausarbeitung unter dem Titel „WIDEMA redet Klartext“ über die durch den Flugverkehr hervorgerufenen Belastungen durch Fluglärm und Abgase auf Mensch und Natur. Dabei entlarvt WIDEMA den Fraport Antrag eines Nachtflugverbotes als Mogelpackung. Das von Fraport genannte Ausbauziel von 660.000 Fbw ist reine Augenwischerei. Der vielgepriesene Job-Motor Flughafen soll im Ausbaufall 100.000 neue Arbeitsplätze bringen. Diese Zahl ist frei erfunden. Die Regionalversammlung wird von Fraport im Zusammenhang mit dem Bau der A380-Werft regelrecht ausgetrickst. WIDEMA initiiert im RDF mit anderen die Gesundheits-/Fluglärmbelästigungsstudie und erreicht, dass auch in Wicker, Massenheim und Delkenheim unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten Untersuchungen und Befragungen stattfinden. WIDEMA deckt auf, dass bestehende Nachtflugbeschränkungen am Frankfurter Flughafen permanent missachtet werden und Fraport Mitarbeiter pauschal und rückwirkend diese Praxis mit Billigung des Verkehrsministeriums absegnen. Selbst in der Kernzeit zwischen null und vier Uhr, in der ein absolutes Verbot von Starts und Landungen besteht, finden Flugbewegungen statt. Die politische Kontrolle versagt hier total. WIDEMA ist von ca. 50 Einwendern bevollmächtigt, deren Einwendungen bei der Anhörung zum PLV in Offenbach vorzutragen. In Redebeiträgen machen wir die Lärmsituation in WIDEMA-Land eindringlich deutlich. Bei der weiteren Anhörung weist unser Vertreter im RDF nach, dass die von Fraport beantragte Erhöhung des Eckwertes auf 120 Fbw/h auch ohne Ausbau realisierbar ist. Die vorgelegte Computer Simulation, die von einer renommierten US-Expertin geprüft und qualitätsgesichert wurde, hat hohe Beachtung gefunden und wird möglicherweise zukünftige Klagen unterstützen. Wenn das vorhandene 3-Bahnen-System optimal genutzt und die WIDEMA Forderung umgesetzt wird, die Startbahn 18West auch als Landebahn zu betreiben, können weit mehr als die im Antrag zur Planfeststellung geforderten 120 Fbw abgewickelt werden. Mit Hilfe der Computer-Simulation zur Bahnkapazität wird bei einer Gegenüberstellung der Ist-Situation und der Situation nach einem Ausbau zweifelsfrei nachgewiesen, dass dann tatsächlich 900.000 Fbw möglich sind.

2006

Unser Vertreter im RDF prangert beim Erörterungstermin erneut die gängige Praxis der Ausnahmeregelungen bei der Umgehung der Nachtflugbeschränkungen am Frankfurter Flughafen an. Der Erörterungstermin in Offenbach wird abgeschlossen. Wegen der von Fraport vorgelegten fehlerhaften Antragsunterlagen und der verworfenen Gefälligkeitsgutachten schließt sich WIDEMA den Forderungen auf Nachbesserung an und verlangt eine neue, öffentliche Auslegung. Fraport wird aufgefordert, die Luftverkehrsprognose zu überarbeiten. WIDEMA erarbeitet und veröffentlicht eine Stellungnahme zu der völlig unzureichenden Novellierung des Fluglärmgesetzes. Die Rechte der von Fluglärm betroffenen Menschen wurden nicht gestärkt. Wir rufen dazu auf, sich an einer Petition an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages zu beteiligen, die zum Ziel hat, nachhaltige Verbesserungen des Gesetzetextes zu erreichen.
WIDEMA startet eine umfangreiche Flugblatt-Informationsaktion und versucht, die Öffentlichkeit gegen die tickende Zeitbombe Fluglärm-, Abgas- und Feinstaubbelastung zu mobilisieren. Obwohl
durch den Betrieb der Fox-Route Wicker und die nachfolgenden Orte um ca. 1.000 Überflüge im Monat entlastet werden, wird sich im Ausbaufall bei Ausnutzung der technisch möglichen Kapazität von 900.000 Fbw bei uns die Anzahl der täglichen Überflüge gegenüber heute verdoppeln (von 200 auf 400). Lärmpausen wird es nicht mehr geben. ` WIDEMA erweitert die vorhandene Fluglärm-Messanlage um eine weitere Komponente. Hierdurch sind wir in der Lage, die von einem Flugzeug ausgesendeten Flugdaten zu empfangen und zu verarbeiten. Exakte Flugroutenbestimmung mit Höhenangabe wird dadurch möglich. Damit sind wir unabhängig von den Daten der DFS.

2007/2008

Die vorhandene Messanlage wird weiter optimiert. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen-Fluglärm-Dienst (DFLD) werden die exakten Flugrouten der Maschinen erstellt. Wir sind nicht mehr angewiesen auf die ungenauen Radarspuren der Flugsicherung. Durch die Verknüpfung mit dem System der DFLD können wir in absehbarer Zeit den Verlauf der tatsächlich geflogenen Route einer Maschine mit deren Höhenprofil und auf Karte projiziert ohne wesentlichen Zeitverzug online darstellen. Die Lärmbelastung in WIDEMA-Land verglichen mit dem Vorjahr ist immer noch unakzeptabel hoch. Die Anzahl der registrierten Fbw ist insgesamt leicht angestiegen auf 41.243 Fbw/Jahr. In der Lärmkategorie größer 80 dBA verzeichnen wir zwar einen geringfügigen Rückgang, dafür sind die Fbw in der Lärmkategorie 70-80 dBA angestiegen. Vor dem Hintergrund der laufenden Diskussion um die Klimaveränderungen veröffentlicht WIDEMA eine ausführliche Ausarbeitung über die Belastungen, die vom Flughafen Frankfurt und vom Flugverkehr allgemein ausgehen. WIDEMA kritisiert massiv die Öffentlichkeitsarbeit der Fraport, deren Ziel es ist, die Front der Ausbaugegner ins Wanken zu bringen. WIDEMA fordert, die klar definierten Lärm mindernden Maßnahmen unverzüglich einzuführen. Prof. Wörner, Vorsitzender des RDF, versucht verschiedene Bürgermeister der Region zu übertölpeln. Für die Umsetzung der Maßnahmen, die WIDEMA seit Jahren fordert, sollen die Kommunen im Gegenzug einen Klageverzicht gegen den Ausbau aussprechen. WIDEMA sorgt mit dafür, dass dieser Versuch scheitert. In einer Bürgerversammlung in Flörsheim versucht Prof. Wörner erneut, seine persönliche Version eines Anti-Lärm-Paktes (ALP) zu verkaufen. WIDEMA und andere Redner machen deutlich, dass die RDF Version nichts taugt. Wir begründen in Presseveröffentlichungen und in einem Redebeitrag auf einer Veranstaltung des Vereins für Flörsheim, warum dieser ALP nicht zustimmungsfähig ist. Auf der gleichen Veranstaltung informieren wir die Öffentlichkeit ausführlich über das Thema „Lärm macht krank“. WIDEMA-Vertreter führen im Vorfeld einer RDF-Sitzung zum ALP ein persönliches Gespräch mit Prof. Wörner. Wir fordern ihn auf, seine persönliche Version eines ALP zurückzuziehen. In der späteren RDF Sitzung erhält Wörner keine Zustimmung zu seiner Version eines ALP, gibt diese Version trotzdem an das Verkehrsministerium weiter. WIDEMA hat die Chronologie dieses Täuschungsversuches veröffenlicht. WIDEMA beteiligt sich am Protestzug der Ausbaugegner in Wiesbaden und der Demonstration vor dem Hessischen Landtag.

Zusammenfassung:

In den ersten Jahren unserer Tätigkeit haben wir auf intensive Gespräche und Verhandlungen gesetzt mit Fraport, DFS, FLK und Politikern. Dabei wurden Maßnahmen vereinbart, die zur Lärmminderung in WIDEMA-Land führten. Erfolg versprechende Verhandlungen erscheinen heute nicht mehr sinnvoll, da sich Ausbaubefürworter und Ausbaugegner unversöhnlicher denn je gegenüber stehen. Im RDF ist es nicht gelungen, konstruktive Verbesserungen der Ist-Situation herbei zu führen. Zu offensichtlich waren dort die Versuche, Gegner und Kritiker des Ausbaus über den Tisch zu ziehen und Ergebnisse zu manipulieren. Fraport, Lufthansa und Politik haben sich längst von der Mediation verabschiedet, deren Ergebnisse damals alle unterschrieben haben. Frühere Zusagen werden heute von niemand mehr eingehalten. Der Ballungsraum um den Frankfurter Flughafen ist heute schon derart hoch durch Abgase, Feinstaub und Verkehrslärm belastet, dass die Lebensqualität deutlich beeinträchtigt ist. Unsere einzige Chance ist der Gang vor die Gerichte. Unterstützen wir deshalb unsere Bürgermeister und Landräte, die inzwischen mit Hilfe qualifizierter Anwälte die gebotenen Schritte unternommen haben. Unterstützen Sie unsere Bürgerinitiativen und Klagevereine, durch eine Mitgliedschaft oder Spenden im Rahmen Ihrer finanziellen Möglichkeiten. Mit Ihrer Zuwendung helfen Sie mit, das finanzielle Risiko der ausgewählten Privatkläger zu minimieren.

WIDEMA Vorstand

K.H. Schenk

Infobrief Nr. 19 zum Download [262 KB]