Info 12 / 2004

Infobrief Nr. 12, 25.11.2004

Liebe Mitglieder, Förderer und Freunde der WIDEMA,

das Jahr 2004 geht dem Ende entgegen. Unsere Aufgaben aber werden bleiben.
Es war ein ereignisreiches aber auch ein erfolgreiches Jahr.

Der größte Erfolg jedoch, an dem auch WIDEMA durch vielen Aktivitäten einen Anteil hat, ist die von der Genehmigungsbehörde gegenüber dem Hess. Wirtschaftsministerium eingestandene Niederlage:

Der Ausbau von FRA kommt nicht vor 2009!

Endlich werden unsere jahrelangen Forderungen beraten und nicht mehr als „dummes Geschwätz“ von Deutscher Flugsicherung (DFS), Lufthansa (LH) und Fraport abgetan. Die Kommission zur Abwehr des Fluglärms (FLK) hat sich intensiv mit den WIDEMA-Vorschlägen befasst und empfohlen, dass eingeführt wird:
> Steilstartverfahren nach „Verfahren A“
> Landeanflug nach „CDA-Verfahren“.
Bei dem Hearing des Regionalen Dialogforums (RDF) am 6.10.04 in Rüsselsheim erfuhren wir, dass die LH und die DFS das „Steilstartverfahren“ (Verfahren A) blockieren. LH mit dem Argument: zu teuer: DFS sieht keine Notwendigkeit.
Das Verfahren A bringt für die von Fluglärm geplagte Bevölkerung unter den Abflugrouten eine Reduzierung des Lärms.

Denn: Schneller Steigen = weniger Lärm am Boden.

Die LH hat Anfang der 80-iger Jahre selbst ermittelt und die Piloten darüber informiert, dass das Verfahren A in ca. 8 km Entfernung vom Flughafen eine Reduzierung um bis zu 10 dB(A) erbringt! Das Verfahren A wird nachweislich auf den mit Flughafen Frankfurt (FRA) vergleichbaren Großflughäfen Paris/de Gaulle, Zürich/Kloten, Amsterdam/Schipol, Mailand/Limate und vor allem mit großem Erfolg in London/Heathrow angewendet.

Folgerung: Was auf diesen Flughäfen möglich ist, will man in Frankfurt nicht praktizieren!

Will nur die DFS nicht? Oder will sich Fraport vielmehr ein Lärmpolster schaffen, um dann nach der „Verwässerung“ des neuen Fluglärmgesetzes doch spielend über 900.000 Flugbewegungen zu bewältigen? Schließlich will Fraport laut „StartFrei“-Zeitung ja Mega-Hub werden!
Die gleiche Blockadetaktik betrifft das so genannte CDA-Verfahren. Dieses bewirkt im Landeanflug ebenfalls eine Lärmreduzierung. Das CDA-Verfahren bedeutet ein
gleichmäßiges Gleiten bis zum Aufsetzen und nicht, wie auf FRA praktiziert, einen treppenförmigen Anflug in der Landephase. In London werden ca. 92% aller Anflüge im Jahr nach CDA durchgeführt. Das bedeutet bei normaler Wetterlage praktisch eine Quote von 100%! Alles dies bei einer Kapazitätsauslastung der Landebahn von ca. 97% zwischen 06:00 und 22:00 Uhr. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Heathrow, bei etwa gleicher Anzahl von Flugbewegungen wie auf FRA, nur 2 Bahnen besitzt. Auf FRA ist dies mit 3 Bahnen nicht möglich!
WIDEMA fragt:
> Warum schafft die Flugsicherung in Heathrow das, was offenkundig aus organisa-
torischen Mängeln in Frankfurt nicht mal mit drei Bahnen zu Wege gebracht wird ?
> Wozu eine vierte Bahn, wenn es auch anders geht ? Warum lernen wir nicht von
denen, die es besser können ?
> Warum ist es uns nicht vergönnt , so eine perfekt arbeitende Flugsicherung zu
haben?
> Wann wird die DFS endlich gezwungen, alles das umzusetzen, was auf allen großen
Flughäfen der Welt Standard ist? Dass eine Zunahme des Fluglärms erfolgt ist, kann jeder Bürger der „StartFrei“-Zeitung von Fraport, Nr.3 vom September 04 entnehmen. Aus den darin veröffentlichten Werten ist ersichtlich, dass an 21 der 25 Fraport-Messstellen der Durchschnittslärmpegel zwischen 2001 und 2004 gestiegen ist! An den Messstellen Weilbach und Flörsheim um 2 bzw. 3 dB(A), was einer Verdoppelung des Lärms entspricht!

Deshalb erneute WIDEMA-Forderung:

DFS, Fraport und LH müssen gezwungen werden, internationale Standards zu übernehmen, damit eine Fluglärmreduzierung erreicht wird. Dazu ist auch ein auf die Menschen Rücksicht nehmendes Fluglärmlärmgesetz erforderlich. Dieses wird aber z.Zt. in seltener Eintracht von Wirtschafts- und Verkehrsministerium in Berlin und der ADV (Arbeitsgemeinschaft deutscher Verkehrsflughäfen) systematisch bekämpft und verwässert. Ein Ergebnis liegt noch nicht vor. Es ist aber zu befürchten, dass wie gehabt, nur ein dürres Entschädigungsgesetz herauskommt, ohne Berücksichtigung der gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Fluglärms.

Das Planfeststellungsverfahren (PFV) für die Halle des A380 läuft. Viele von uns haben Einspruch gegen den Bau eingelegt. Mit diesen mehreren tausend Einsprüchen muss sich der RP befassen. Danach erfolgt das Genehmigungsverfahren. Leider hat sich die Regionalversammlung Südhessen – darin sitzen Vertreter aller Parteien der Kommunen aus Südhessen – mit 78 zu 18 Stimmen für den Bau der Halle ausgesprochenWIDEMA kritisiert die Zustimmung des Flörsheimer Stadtparlaments zum Bau der
A 380 Halle.
Die mit den Stimmen der CDU und FDP Mehrheit zustande gekommene Entscheidung, dem Bau der A 380 Halle innerhalb des Flughafen Zauns Priorität einzuräumen, ist kein eindeutiges „Nein“ zum Bau der Halle, wie es von der Bevölkerung eigentlich erwartet wird. Die Entscheidung konterkariert die Bemühungen der vielen im Fluglärm-Bündnis der Stadt Flörsheim zusammen geschlossenen Gruppierungen, die sich seit Jahren ehrenamtlich für eine machbare Reduzierung des Fluglärms einsetzen. Der Bau der A380 Halle bringt dann im späteren Betrieb zusätzlichen Lärm und ist der Einstieg in den Ausbau durch die Hintertür. Darin waren sich bisher alle einig.
Wer dem Bau der Halle zustimmt, ebnet den Weg für den späteren Ausbau des Flughafens. Geradezu naiv mutet in diesem Zusammenhang die von den Vertretern der Stadt gewählte Formulierung an: „Fraport möge objektiv prüfen, ob ein Bau der Halle innerhalb des Zaunes machbar ist“. Fraport hat derartige Forderungen bereits früher öffentlich als nicht realisierbar verworfen.
Fraport will die Ausdehnung über den bestehenden Zaun hinaus. 14 Hektar geschützter Bannwald werden dann gerodet! Auch das ist den Parlamentariern bekannt.
WIDEMA hält die Entscheidung für falsch. Die bisherige Einmütigkeit im Flörsheimer Parlament in dieser für die Stadt existenziellen Frage wird ohne Not aufgegeben.
Am schlimmsten finden wir aber die Erkenntnis, dass inzwischen auch auf kommunaler Ebene die gewählten Vertreter nicht mehr die Interessen der Menschen, von denen sie gewählt wurden, wahrnehmen.
Komme uns keiner mit dem Totschlag-Argument: Ausbau = Arbeitsplätze.
Die LH u.a fordern heute schon eine drastische Reduzierung der Fraport Entgelte = Arbeitsplatzabbau!

WIDEMA ist der Meinung: Der Bau der A380-Werft ist nicht genehmigungsfähig!
Das PFV für die A380-Halle muss eingestellt werden.
Zum laufenden PFV stellt WIDEMA erneut die Frage:
Wie kann der Bau der Halle für den A380 genehmigt werden, wenn der Flughafen Frankfurt für den A 380 überhaupt keine Betriebsgenehmigung hat?. Wie kann das Wirtschaftsministerium in Wiesbaden die Planfeststellung für die A380-Halle in Aussicht stellen, wenn dieses Riesenflugzeug in Frankfurt weder landen noch starten darf?
Schon im Anhörungsverfahren, bei dem WIDEMA anwesend war, zeigte sich, dass die vorhandenen Start- und Landebahnen 25 L/R mit 60 m zu schmal sind. Nach ICAO-ANNEX 14, Chapter 3.2 für Maschinen nach Code Letter F (entspricht A380) beträgt die vorgeschriebene Bahnbreite 75 m!

Deshalb besteht derzeit keine Start- bzw. Landeberechtigung für den A380!!

Der Großflughafen München besitzt bereits die erforderliche Genehmigung für Starts und Landungen des A380!
Bauten, wie eine Verbreiterung der Bahnen um jeweils 2 x 7,50 m, bedürfen eines separaten PFV.
Der von Fraport zwischenzeitlich widerrechtlich gebaute Schnellabrollweg „R to“ musste vor kurzem geschlossen werden, weil er nicht planfestgestellt war. Also ein Schwarzbau!

Wie aus der Presse zu entnehmen war, hat Fraport das Caltex-Gelände gekauft.

WIDEMA meint:

Ergibt sich mit dem Kauf des Caltex-Areals für Fraport etwa eine neue Perspektive für den geplanten Bau der A 380-Halle? Ist dies die Ersatzlösung für den Standort der Halle innerhalb des Zauns? Will man vorhandene Einrichtungen verlagern, um Platz zu schaffen? Oder glaubt Fraport auf diese Weise sich Freifläche für den Bau der neuen Landebahn Nordwest zu schaffen? Das muss und kann mit Hilfe der Kommunen Raunheim und Kelsterbach hoffentlich verhindert werden! Für beide Gemeinden ist es jedenfalls eine bittere Erkenntnis, hinnehmen zu müssen, dass der Bebauungsplan für das Caltex-Gelände, gegen den Fraport geklagt hatte, zwar vom Gericht für rechtens erklärt wurde, man aber für jeden zukünftigen Spatenstich das Einverständnis des neuen Eigentümers braucht.
Die Novellierung des Fluglärmgesetzes von 1971 muss endlich vorgenommen werden. Alle von Fluglärm Betroffenen erwarten, dass jetzt Höchstwerte festgeschrieben werden, bei deren Überschreitung gegen den Flughafenbetreiber Klage wegen Belästigung und Gesundheitschädigung eingereicht werden kann. Aber auch hier sabotieren die Luftfahrtwirtschaft im Verbund mit den Bundesministerien für Wirtschaft, Verkehr und Verteidigung die für uns positiven Vorschläge des Bundesumweltamtes und des Bundesumweltministeriums.
Für alle Lebenslagen gibt es gesetzliche Lärmhöchstwerte. Nur bei Fluglärm schafft es die entsprechende Lobby immer wieder, dass die verantwortlichen Politiker einknicken.
Hier wird das Grundrecht auf Schutz des Bürgers einfach missachtet!

WIDEMA-Forderung: Kein Dauerschallpegel von mehr als 55 dB(A) am Tag und
45 dB(A) in der Nacht!

In Wicker bewegt sich der Tagespegel um 61 – 62 dB(A). Dies entspricht nach der wissenschaftlichen Lärmwirkungsforschung einer die Gesundheit beeinträchtigenden Belästigung!
PFV Landebahn Nordwest

Die Planungsunterlagen zum Bau der Landebahn NW werden von Fraport z.Zt. beim RP in Darmstadt eingereicht. Ab 15. Januar 2005 werden voraussichtlich diese vom RP auf Vollständigkeit geprüften Unterlagen bei den betroffenen Kommunen zur Einsicht ausgelegt. Jetzt beginnt die letzte und wichtigste Phase für die Bürger.
> Es bleibt nur ein Weg:
Einspruch einlegen!! Denn nach 1 Monat + 14 Tagen ist die Akte für immer
Einspruch einlegen!! Denn nach 1 Monat + 14 Tagen ist die Akte für immer geschlossen! Wer jetzt schweigt, schweigt für immer. Wenn die Bahn genehmigt ist, gibt es keinerlei rechtliche Einspruchs- oder Klagemöglichkeit mehr.

> Daher: Wer den grünen „Fragebogen für die Betroffenen“ noch nicht ausgefüllt hat,
bitte dies umgehend nachholen! Wer noch Änderungen oder Ergänzungen zu bereits eingereichten Fragebogen machen möchte, kann dies jetzt noch tun.

Selbstverständlich sind wir jeder Zeit beim Ausfüllen behilflich. Wenn Sie uns dann den ausgefüllten und unterschriebenen grünen Bogen geben, sorgen wir dafür, dass Sie rechtzeitig einen vorgefertigten mehrseitigen Brief bekommen, um Ihren Rechtsanspruch zu wahren. Diesen Brief schicken Sie dann mit Ihrer Unterschrift an die vorgegebene Anschrift beim Regierungspräsidenten in Darmstadt.

Wir möchten auch noch mal betonen, dass selbstverständlich jeder Zeit das Datenschutzgesetz voll eingehalten wird.

Unsere Pressearbeit spiegelt sich leider nicht, wie von uns erhofft, im vollen Wortlaut in den verschiedenen Tageszeitungen wieder. Hier fehlt uns natürlich die notwendige Möglichkeit der Einflussnahme auf die einzelnen Redaktionen.

Alle von Ihnen, die über Internetzugang verfügen, sollten regelmäßig unsere Website www.widema.de besuchen. Dort finden Sie unsere Artikel und Kommentare, sowie die Presseartikel der Zeitungen zum Thema „Flughafen“. Außerdem sind auf der Seite „Fluchlärm“ die Auswertungen unserer beiden Messgeräte zu sehen.

Ausblick für das Jahr 2005

> Auf die Wichtigkeit des PFV neue Landebahn haben wir bereits oben hingewiesen.
> Im April 2005 stehen Vorstandswahlen an. Der jetzige Vorstand besteht aus 5
Mitgliedern. Zwei von Ihnen können sich aus gesundheitlichen bzw. beruflichen
Gründen einer Wiederwahl nicht stellen.
Wir müssen daher nochmals den Aufruf an unsere Mitglieder wiederholen:
Wer hilft uns?
Als Beisitzer im Vorstand brauchen Sie kein Grundwissen bezgl. Flughafen, Flug-
technik und ähnlichem.
Wir brauchen Leute, die uns bei der alltäglichen Vereinsarbeit unterstützen und den
Vorstand etwas entlasten. Mit der Zeit kommt man automatisch auch hinter die breit-
gestreuten Tätigkeitsfelder unserer Arbeit.

Letzte Meldung

Im Videotext des hr-Fernsehen war am 14.11.04 zu lesen, dass MP Roland Koch auf dem Standpunkt steht, dass der geplante Ausbau von FRA eine „Aufgabe von nationalem Interesse sei“. Bei solchen Maßnahmen müsste seiner Meinung nach das Projekt direkt vom Parlament genehmigt werden. Das bedeutet das Ausschalten aller „Hindernisse“ die durch das Recht und Gesetz „im Wege stehen“.
WIDEMA:
> Was ist das für eine Auffassung von rechtstaatlicher Ordnung?!!
> In welcher verfahrenen Position muss sich Fraport befinden?!!

WIDEMA muss und will weiter so erfolgreich kämpfen wie bisher. Das geht natürlich nur mit Ihrer Unterstützung. Treten Sie jeder Art von Gleichgültigkeit oder Resignation entgegen und werben Sie für unsere Ziele. Wir brauchen noch mehr Mitglieder.

Wir wünschen Ihnen Frohe Weihnachten und ein gesundes und leiseres Jahr 2005.

WIDEMA e.V.
Der Vorstand