Info 1 / 2000

- Was wollten wir erreichen?
- Was haben wir erreicht?
- Was muss noch erreicht werden?
- Wichtige Erkenntnisse

1. Was wollten wir erreichen......

1.1 ANLASS
FLUGLÄRM-BÜNDELUNG über WOHNGEBIETE ist UNSOZIAL und bedroht GESUNDHEIT und EIGENTUM !
Eine von Fluglärm verschonte Mehrheit soll damit im Glauben gelassen werden, dass Fluglärm gar nicht so gravierende Probleme bereitet. Fluglärm ist ein gesellschaftliches Problem, das nicht nur auf eine Minderheit abgeladen werden darf. Denn auch diese Minderheit hat einen Anspruch auf Lebensqualität!
WiDeMa hat Lösungswege aufgezeigt, um die Wohngebiete auch aus SICHERHEITSGRÜNDEN zu umfliegen!
Dies alles ist möglich!
1.2 ZIELSETZUNG
ist die VERLEGUNG der ROUTEN über unbewohntesGebiet ohne andere Ortschaften höher mit Lärm zu belasten, als wir selbst bereit sind zu tragen.
1.3 SITUATION
WICKER-DELKENHEIM-MASSENHEIM ist die mit am stärksten von Fluglärm belastete Region im Rhein-Main-Gebiet.
Weil im Jahr 75-90% Westwind herrscht, wird nach Süden (Startbahn 18 West), aber hauptsächlich uns belastend über Startbahn 25 nach Westen/Nordwesten, d.h. über WiDeMa-Land gestartet.

Ca. 35% aller in Frankfurt startenden Maschinen fliegen Richtung Westen über eine Abflugroute direkt über bewohntes WiDeMa-Land. Nach Süden könnten die Maschinen über drei - gegenüber der einen über WiDeMa – Abflugrouten starten. Diese führen über Waldgebiete und praktisch werden keine Orte direkt überflogen.
Gemäß DFS (Deutsche Flugsicherung) dürfen die Flugzeuge erst nach dem Start mit Erreichen einer Höhe von 3500 ft. nach Norden abdrehen.
60-70% aller Flieger, die uns überfliegen – das sind bis zu 230 Maschinen täglich - erreichen be-reits vor WICKER diese Höhe von 3500 ft., brauchen also nicht über WiDeMa zu kurven.

Bei Antragstellung der WiDeMa im Sept. 1999 sind ca. 30 Großflugzeuge über unser Gebiet gedonnert, z. Zt. sind es ca. 70 Großflugzeuge !!!

Ausgerechnet zu den sensibelsten Zeiten wird am meisten geflogen:

13.00-15.00 Uhr = MITTAGSRUHE (wer Rasen mäht wird bestraft!)
20.00-23.00 Uhr = EINSCHLAFZEIT vor allem für Kinder
01.00-02.00 Uhr = TIEFSCHLAFPHASE ( gestört durch Postmaschinen)

Dazu kommen neuerdings EINFLIEGER, die zusammen mit den startenden Flugzeugen einen permanenten LÄRMTEPPICH bilden.
1.4 VORSCHLÄGE
Schaffung von Bündelungsrouten über unbewohntem Gebiet- mit sogenannten „way-points“ (Wege-Punkten.),d.h. computergesteuerten Abdrehpunkten. Dies ist möglich, es müssen nur entsprechende Anweisungen an die Piloten gegeben und in die monatlich anzupassende Software der Maschinen eingespielt werden.

40% aller schweren Maschinen ( Ziel Asien/Amerika ) sollen gemäß Antragstellung WiDeMa Richtung Süden starten. Die Route 18 RÜD ( über Startbahn 18 West Richtung Rüdesheim ) ist z. Zt. kaum belastet, ist weniger besiedelt und liegt auf Flusshöhe Rhein und Main.
Die restlichen 60% der schweren Maschinen (ca. 15-18 Maschinen/Tag) müssen auf neue unbewohnte Routen im Bereich WiDeMa geleitet werden.

POSTMASCHINEN sollen ebenfalls aus vorgenannten Gründen in Richtung Süden starten. Eine mögliche Rotation, d.h. laufender, in bestimmten Zeitabschnitten erfolgender Wechsel der Start-richtungen, bringt auch für WiDeMa-Land Entlastung von Fluglärm.

EINFLIEGENDE Maschinen Richtung Flughafen müssen wieder weiter nach Norden zurück verlegt werden, damit sie die startenden Flugzeuge nicht am Steigflug hindern.

OST-WIND-Betriebsrichtung, d.h. Starten nach Westen bei Windstärken über 5 Knoten Windgeschwindigkeit darf nicht entsprechend der Forderung von Mainz und Offenbach auf 10 Knoten erhöht werden. Dies würde eine weitere Belastung von WiDeMa-Land mit Abflügen nach Norden
Richtung TAU ( TAU = Koordinatenpunkt Taunus ) bedeuten.

1.5 ANTRAGSTELLUNG
Am 9.9.1999 hat WiDeMa einen ANTRAG an die Fluglärmkommission zur Flugroutenverlegung über unbewohntes Gebiet gestellt. Die 33-seitige Studie basiert auf Erkenntnissen und Erhebungen von WiDeMa-Mitgliedern und wurde mit Unterstützung von Fachleuten, wie Flugkapitänen, Fluglotsen und Lärmschutzexperten erarbeitet. Sie ist als umfassendste und ausgewogenste Arbeit zur Verminderung von Fluglärm und zur gerechteren Lärmverteilung seit Bestehen der Flug-lärmkommission bezeichnet worden.

2. Was haben wir erreicht bzw. was wir bekommen sollen......

Nach eingehenden Arbeitssitzungen der Fachleute von der Flugsicherung (DFS), dem Ministerium für Luftaufsicht, des Fluglärmschutzbeauftragten , unter Teilnahme der WiDeMa und mit unserem Fachberater, dem ehem. Flugkapitän Harm Heldmaier, wurden zu unserem Antrag „Zur systematischen und nachhaltigen Fluglärmreduzierung im Bereich der WiDeMa“ in der Fluglärmkommission folgende Empfehlungen erarbeitet:

Probeweise wird etwa ab Juni d.J. für ca. 1 Jahr eine neue Flugroute getestet.
Die neue Flugroute nach Norden wird ab Höhe WICKER bis Höhe DELKENHEIM über unbewohntes Gebiet (Richtung A3) geführt.
- 60-70 % aller derzeitigen Direktüberfliegungen von WICKER,
MASSENHEIM und DELKENHEIM sollen in Zukunft nicht mehr
erfolgen!
- Damit dürften auch die Postmaschinen nicht mehr direkt über die
Ortschaften fliegen!
- SOFORTMAßNAHME - keine Postmaschinen mehr bei Ostwind !
- Die verbleibende Anzahl der 3- und 4-motorigen Schwermaschinen
wie JUMBOS – starten weiter wie bisher nach Westen, jedoch bis
zu einer Flughöhe von 4000 ft. (anstatt wie bisher von 3.500 ft)
und dürfen erst dann nach Norden oder Nordwesten - und zwar
möglichst über unbewohntes Gebiet - abdrehen.

3. Was muss noch erreicht werden.....

3.1 VERLAGERUNG der SCHWERMASCHINEN

-
Wicker liegt 170 m hoch und wird bereits nach ca. 8 km von den Jumbos
erreicht, d.h. Wohngebiete werden direkt und zu tief überflogen.
- Auf der Strecke Wicker bis Delkenheim steigen die Flieger kaum bzw.
nicht mehr, sie kurven nur!
- Früher überflogen rund 30 3- und 4-motorige Maschinen pro Tag
WiDeMa-Land. Seit Januar erfolgte eine kontinuierliche Erhöhung auf bis
zu 70 Maschinen/Tag: Dies ist eine Erhöhung um mehr als 100% !
- Die Sicherheitsfrage wird dabei völlig ignoriert. Katastrophen wie z. B. der
folgenschwere Absturz in Amsterdam sind auch bei uns nicht
auszuschließen !
- Hier muss dringend Nachbesserung mit dem Ziel erreicht werden, dass
keine Wohngebiete direkt überflogen werden !
Sofortige Rückführung auf früher durchgeführte Abflugpraxis und Abbau entsprechend dem WiDeMa-Vorschlag.
3.2 EINFLIEGENDE Maschinen
müssen wieder zurück in den Norden verlegt werden.
3.3 GERECHTE VERTEILUNG der FLUGLÄRMBELASTUNG
Einführung eines ROTATIONS-PRINZIPS in der gesamten RHEIN-MAIN-REGION !

Gerechte Lärmverteilung muss ein gemeinsames Ziel aller Gemeinden rund um den Flughafen sein.

4. Wichtige Erkenntnisse
Die Verlegung, Rückführung und Reduzierung der Schwermaschinen muss u. U. prozessual durchgesetzt werden. Dazu muss ggf. WiDeMa Lärmmessungen auf eigene Kosten durchführen lassen.

Ebenso müssen u. U. weitere Maßnahmen bei einer evtl. Rückführung der Testroute auf die derzeitige Route per Gerichtsbeschluss verhindert werden.

Zu allen diesen Schritten benötigt die WiDeMa finanzielle Unterstützung.

In jedem Fall sind finanzielle Beiträge der Mitglieder und Förderer gut angelegt !

Bei Auflösung oder Aufhebung des Vereins oder bei Wegfall seines bisherigen Zweckes, fällt das Vermögen des Vereins an den „Verein der Förderer und Freunde der Beruflichen Schulen für Körperbehinderte im Antoniushaus e.V.“ in Hochheim, der es unmittelbar und ausschließlich für gemeinnützige Zwecke zu verwenden hat.

Soweit eine erste Information über den derzeitigen Stand unseres Kampfes gegen die Belastung durch Fluglärmbündelung über unseren Wohngebieten.

Wir freuen uns über die breite Zustimmung, die wir in den letzten Wochen erfahren haben. Außerdem danken wir allen Mitgliedern und Förderern für das finanzielle und ideelle Engagement, um unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen.

Der Vorstand im April 2000